In Kooperation der Evangelischen Stadtakademie Aachen mit der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf und der Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik e.V. Wenn von „weiblicher Mystik“ die Rede ist, sind damit in der Regel Traditionen der Mystik gemeint, die im biologischen Sinn auf Frauen zurückgehen. Im letzten Halbjahr haben wir uns mit einer solchen ‚Mystik von Frauen’ interreligiös befasst: durch Lektüre von Texten jeweils einer islamischen, einer christlichen und einer jüdischen Mystikerin. In diesem Semester werden wir in die Zeit des frühen Christentums zurückgehen. Damals entstand eine spirituelle Bewegung, die als Ursprung des späteren klösterlichen Lebens der Mönche und der Nonnen gelten kann. Vielfach suchten Männer wie Frauen, ihr Christ-Sein auf eine radikale Weise außerhalb der römisch kontrollierten und für sie damit repressiven Lebenswelt des Vorderen Orients in Einsiedeleien in der Wüste zu praktizieren. Die „Wüstenväter“ wie Antonius der Große haben dabei bis heute einen weitaus höheren Bekanntheitsgrad erreicht als die „Wüstenmütter“. Das ist ein historisch aufzuarbeitendes Defizit. Es verbindet sich mit Fragen wie diesen: Was haben gerade bei den „Wüstenmüttern“ die auf sich genommenen äußeren Entbehrungen bewirkt bei der Suche nach der ‚inneren Wüste’ als nach dem offenen Ort der Empfängnis für die ‚unio mystica’? Gibt es eine spezifisch ‚weibliche’ Botschaft, die ausstrahlt von der Wüsten-Suche nach Stille, nach Aushalten der eigenen Existenz, die von sich frei werden möchte für den befreienden Gott? Bewusst wird hier weiterhin das „Weibliche“ im Titel in Anführungszeichen gesetzt, weil eine leitende Frage unserer Lektüren jene sein soll, ob mit der Unterscheidung von Weiblichkeit undMännlichkeit – gerade in Bezug auf Mystik – nicht etwas anklingt, das über die bloße Geschlechterdifferenz hinausträgt, im Sinne einer Ausrichtung entweder auf überbegriffliche Einheit (‚weiblich’) oder begrifflichen Objektivismus (‚männlich’). In dieser gestisch-symbolischen Betrachtungsweise hätten alle Mystikerinnen und Mystiker der Möglichkeit nach individuell je unterschiedlich gewichtete weibliche wie männliche Anteile.Themen und Termine:Wüstenmütter und „weibliche“ Spiritualität heuteEs wäre zweifellos hochproblematisch, die Wüstenmütter zu „Feministinnen avant la lettre“ zu stilisieren. Zu wenig wissen wir im Einzelnen über diese mutigen Frauen aus ferner Vergangenheit. Jedoch können wir über den Anspruch einer „weiblichen“ Spiritualität heute Aussagen treffen. Und für Letztere können die zuvor thematisieren „Zusammenhänge“ sowie das „Unterscheidende“ der wüstenmütterlichen Frömmigkeit ganz sicher aufschlussreich sein.Referentin: Prof. Dr. Isabella Bruckner, Pontificio Ateneo Sant'Anselmo, RomTermin: Dienstag, 19. Mai 2026Leitung: Dr. Uwe Beyer (ESA)Ort: Hybrid-Veranstaltung – in Präsenz in der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf und digital über ZoomTeilnahmegebühr pro einzelner Veranstaltung: 6 €Anmeldung:
simone.graff@ekir.de oder Tel. 0241 - 453 162